Archiv für die ‘NDR’ Kategorie

Klamaukfernsehen mit Kuli!

22 Juni 2010

Mit sehr verklärtem Blick schaute der NDR am Montag in einem Porträt auf Hans-Joachim Kulenkampff (verstorben 1998) zurück, den die älteren Zuschauer mit der Quizsendung EWG in Verbindung bringen, die im ZDF ausgestrahlt wurde. EWG wurde als Abkürzung für „Einer wird gewinnen“ gesetzt und man nutzte diese Abkürzung, weil sie gleichzeitig für „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ (Vorläufer der EU) stand. Die Quizshow wurde von 1964 – 1969 und danach noch einmal von 1979 – 1987 ausgestrahlt und hatte Erfolg, obwohl Kulenkampff als Moderator nicht unumstritten war und seine schauspielerischen Einlagen, die er zur Selbstdarstellung nutzte, waren nur Klamauk! Alle anderen Sendungen, in denen sich Kuli versuchte, waren weitgehend Flops. Was sich Kulenkampff als Fernsehmann mit hohem Bekanntheitsgrad an politischen Äußerungen in der Öffentlichkeit leistete, wäre heute für einen Moderator unmöglich. Er warb ständig für die SPD, mit Willy Brandt und beleidigte in einer Talkrunde den damaligen CDU Generalsekretär Heiner Geißler mit den Worten, dass er ein schlimmerer Hetzer als Goebbels sei, wofür er sich später öffentlich entschuldigen musste.

Spätrömische Dekadenz…

1 März 2010

…ist ein Bestandteil eines Satzes von Guido Westerwelle, der viele Diskutanten in den vergangenen Wochen unbegründet in heftige Auseinandersetzungen gebracht hat. Der ganze Satz lautete: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.“ Die Deutungen sind vielfältig, aber sagen wollte Westerwelle wohl nur damit, dass, wer einen anstrengungslosen Wohlstand verspricht, eine Mitschuld am Werteverfall und an der Ausbeutung des Sozialstaates trägt. Wer den Beitrag auf dieser Seite vom 23. Februar über die Sendung „EXTRA“ und Timo Gruner gelesen hat, weiß worum es geht, denn wer diesen und andere ähnlich faule Schmarotzer nicht zur Arbeit zwingt, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein! So einfach ist das. Auch in der Sendung „3 nach 9“ von Radio Bremen am 26. Februar musste sich das weibliche Aushängeschild der FDP, die Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin, gegen die Angriffe von Giovanni di Lorenzo und dem linken Professor Rudolf Hickel zur Wehr setzen. Hickel stimmte sogar Westerwelle mit dem Satz zu, dass sich „Leistung wieder lohnen muss“ und plädierte für einen Lohnabstand zu Hartz IV. Dafür reicht aber auch der von der SPD geforderte Mindestlohn bei weitem nicht, denn ein Familienvater mit 2 Kindern muss mindestens 10,00 EURO pro Stunde verdienen, um auf den ALG-2-Satz zu kommen! Ein Lichtblick in der Sendung nach Amelie Fried und vor allem Charlotte Roche, war die Gastmoderatorin Sandra Maischberger. Wer ist Giovanni di Lorenzo, musste man sich nach einige Minuten fragen, denn Sandra Maischberger hatte die komplette Sendung in kurzer Zeit unter Kontrolle! Radio Bremen sollte versuchen, diese tolle Moderatorin für „3 nach 9“ zu gewinnen!

Schickt Charlotte bitte zurück in die “Feuchtgebiete”!

17 Januar 2010

Look Who’s Talking! Das hat die „Mutter aller Talkshows“, die Sendung 3 nach 9 von Radio Bremen, nun wirklich nicht verdient. Es ist eine Zumutung für jeden 3 nach 9 – Stammkunden, sich Charlotte Roche, die Autorin der Feuchtgebiete, in der beliebten NDR-Freitags-Talkrunde ansehen und vor allem anhören zu müssen. Auch Giovanni di Lorenzo kann man angesichts der Schwäche seiner Kollegin nur bedauern. Die Talkshow hat in den vergangenen über 30 Jahren ihres Bestehens schon vielen tollen Moderatorinnen und Moderatoren eine Plattform gegeben und war bis auf wenige Ausnahmen fast immer eine Klasse für sich. So große, bekannte Namen, wie Marianne Koch, Gert von Paczensky und Wolfgang Menge, über Dagobert Lindlau und die unvergessene Juliane Bartel, bis zu Giovanni di Lorenzo, haben über Jahrzehnte für höchste Talkshow-Qualität gesorgt und das ausgezeichnete Image dieser Sendung geprägt. Nach dem Weggang von Amelie Fried zum ZDF machte Radio Bremen jedoch im September 2009 mit dem Engagement von Charlotte Roche, die über ihr umstrittenes Buch, das in weiten Teilen eine pornografische Fäkalsprache verbreitet, selbst gesagt haben soll: „Ich fände es ganz gut, wenn Frauen das Buch als Wichsvorlage benutzen“… Radio Bremen wäre gut beraten, Charlotte schnellstens in ihre „Feuchtgebiete“ zu schicken…

Wer ist überhaupt noch lustig?

1 Januar 2010

Bernd Stelter präsentierte am 30. Dezember im WDR die Sendung „So lacht NRW“ und später konnte man im ZDF Oliver Welke sehen, den Mann aus Harsewinkel, den man, wenn man ihn schon auf den Bildschirm lassen muss, beim Sport hätte lassen sollen. Welke’s „Heute Show – best of“ war nur „Mist of“! Er schonte – wie üblich – die SPD, schlug ungebändigt auf die F.D.P. ein und beleidigte Merkel, aber lustig war in der Sendung nun wirklich nichts. Anders bei Stelter. Auf Hannes Bender, Horst Schroth und die Bullemänner kann man zwar verzichten, aber es gab von anderen „Komikern“ lustige Beiträge und einige Gags waren sogar absolute Spitze. Sicher ist es auch eine Frage der Mentalität und der Stimmung, in der man sich befindet, aber die Interviews des Franzosen Alfons mit der Trainingsanzugjacke und dem riesigen flauschigen Mikrofon, der nicht umsonst in der Komiker-Hitliste des NDR nach dem lange verstorbenen Heinz Erhardt den zweiten Platz belegt, sind immer absolut stark. Natürlich unterstützt der französische Akzent die emotionslos klingenden Fragen noch, aber die Frage an einen Mann: „Würden Sie Ihrer Frau erlauben fremd zu gehen, damit Sie ein hübsches Kind bekommen?“ Antwort: „Ja!“ – ist schon einen Lacher wert und der Satz: „Die Deutschen hätten viel mehr Spaß beim Kindermachen, wenn man dafür ein Formular ausfüllen müsste“, ist nun wirklich auch lustig.

Tipp für Nachtschwärmer: INAS NACHT

7 Dezember 2009

Schon seit 2007 konnte man im 3. Programm des NDR freitags um Mitternacht einen Ausflug in die Altonaer Hafenkneipe „Zum Schellfischposten“ machen. Aus dieser urigen Pinte wird die Late-Night-Show „Inas Nacht“ gesendet. Ina Müller, die in der kleinen Kneipe nur 14 Sitzplätze anzubieten hat, singt und plaudert mit bekannten Größen aus dem Showgeschäft und gibt auch dem Nachwuchs eine Chance. Zu jeder Sendung gehört der Wilhelmsburger Shantychor „Tampentrekker“, das sind etwa 20 ältere Herren mit einem Elbsegler auf dem Kopf, die vor der Kneipe stehen und gelungene Pointen mit einem lustigen Ständchen belohnen. Die Sendung am 3. Dezember, in der Ulrich Wickert, der „Ex-Mr. Tagesschau“ zu Gast war, gehörte nicht gerade zu den stärksten Ausgaben der bisherigen Staffeln. Bevor die beiden französisches Liedgut vortrugen, sagte Ina Müller: „Uli kann nicht singen und ich kann kein Französisch“. Mit dieser Ankündigung wäre es sicher besser gewesen auf den Gesang zu verzichten. Die bisher tollsten Sendungen waren mit: Jürgen von der Lippe, Jürgen Drews, Jan Josef Liefers und Ingrid van Bergen, wie auch eine Sendung mit Peter Maffay. Inas Nacht, für die „Beste Late-Night-Show“ 2009 mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet, hat 2009 auch den Sprung vom 3. Programm des NDR ins 1. geschafft. Die Sendetermine sind donnerstags 23.45 Uhr in der ARD und Wiederholungen freitags um 0.00 Uhr im NDR.

Feuchtgebiete wurden trockengelegt

22 September 2009

Mit großer Spannung verfolgten wohl viele Zuschauer das Debüt von Charlotte Roche als Moderatorin der Talkshow 3 nach 9 Große Fußstapfen hat sich die 31-jährige Nachfolgerin von Amelie Fried ausgesucht. Denn der Sender wollte mit Roche eine Verjüngungskur für die bislang staubtrockene und etwas veraltete Talkrunde starten. Doch von der einst frechen VJane war nicht viel oder gar nichts übrig. Hochgeschlossen, mit akkurater Föhnfrisur wirkte Roche als wäre sie geradewegs aus einer Haarsprayreklame der 60er entschlüpft.

Ob sich die Macher von der Schreiberin der „Feuchtgebiete“ nicht etwas weniger Einfühlungsvermögen für die Sendung gewünscht hätten, sondern eher mehr Wortwitz und eine gute Portion Schlagfertigkeit, die vielleicht nicht unbedingt knapp über der Gürtellinie endet? Denn erstaunlicherweise war die Gürtellinie die imaginäre Gesprächsgrenze während der Talkshow bei Charlotte Roche. Wurde diese im Gesprächsverlauf überschritten, konnte man fast beobachten, wie die Moderatorin zusammenzuckte. Nun heißt es abwarten, ob es bei der nächsten Sendung genau so gesittet und fast bieder zugeht oder ob – wenn sich das Lampenfieber vom Anfang gelegt hat – die Trockenheit ein Ende hat.